Montag, 28. Mai 2012

Ich würde dir folgen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Glaubst du mir, dass ich dir am liebsten überall hin folgen würde? Ich hatte darüber nachgedacht hier alles stehen und liegen zu lassen um dort zu sein, wo du studierst.", machte Joe den Anfang. Nadja sah ihn völlig entgeistert an. "Aber du arbeitest doch hier in Seattle?" "Ich arbeite hier, ja. Aber ich würde lieber dort arbeiten, wo du bist." Nadja war zu überwältigt, um etwas zu sagen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Und außerdem passte es auch nicht zu ihrer eigentlichen Idee von einem Collegeaufenthalt, bei dem sie endlich mal wie alle anderen sein wollte.

"Darum geht es gar nicht.", presste Nadja schließlich heraus. Jetzt war es an Joe ein überaschtes Gesicht zu machen. "Worum geht es dann?" "Es geht darum, dass ich, wenn ich woanders studieren würde, endlich mal wie alle anderen wäre." Joe sah sie etwas verständnislos an. "Und das wärst du nicht, wenn ich mitkomme? Das wärst du nicht, wenn du hier in Seattle studieren würdest?" Nadja seufzte etwas unterdrückt. Sie kam sich mit ihrem Wunsch nach normalität auf einmal so albern vor und hatte Zweifel, ob Joe ihren Gedanken nachvollziehen konnte.

Sie holte tief Luft. "Wenn ich dort studiere, wo wir gemeinsam leben, dann werden wir zum Beispiel ja auch gemeinsam wohnen. Also bin ich nicht wie die anderen, die von zu Hause weggehen. Während die in ihr Wohnheim gehen, fahre ich abends nach Hause.", erklärt sie vorsichtig und sah Joe scheu an. Der überlegte erstmal. Dann schüttelte er langsam den Kopf. "Aber lange nicht alle Studenten wohnen in den Heimen auf dem Campus. Viele wohnen in kleinen Appartements außerhalb. Manche bei ihren Eltern. Ander sogar schon mit ihrem Freund zusammen. Manche der älteren sind auch schon verheiratet. So war es jedenfalls bei mir."

Nadja drückte sich etwas näher an Joe. "Du meinst, ich in trotzdem wie die Anderen da?" "Du bist niemals wie die Anderen! Aber das liegt nicht daran, ob du im Studentenwohnheim lebst, oder bei mir.", erklärte er fest. Nadja lächelte wieder etwas. "Ich glaube eh, dass ich mich längst entschieden hatte.", sagte sie nun leise. Joe schob sie etwas weg, behielt sie aber im Arm, um ihr in die Augen sehen zu können. "Und wie hast du dich entschieden?" "Ich will nicht weg von dir. Nicht jetzt, und nicht für so lange. Vielleicht kann ich ja irgendwann später ein Semester woanders verbringen, um ein bisschen Erfahrungen für mich selbst zu sammeln. Aber ich möchte das nicht jahrelang haben."

Glücklich sah Joe sie an. Mit der Aussicht, Nadja für ein Auslandssemester woanders hingehen zu lassen, konnte er leben. Zwar würden auch das unerträgliche Monate werden. Aber das war etwas völlig anderes, als ein paar Jahre. "Dann suchen wir dir ein College in Seattle aus, dass die Ausbildung anbietet, die du haben möchtest." Nadja nickte und presste sich jetzt wieder an ihn. "Ich hab sogar schon Broschüren oben.", gestand sie kleinlaut.

Kommentare:

  1. Na also! Geht doch! :-)

    Nadjas fast verbissener Wunsch, so normal wie die anderen zu sein, ist auch irgendwie verständlich. Außerdem entspricht das dem Teenie-Verhalten (und sie ist ja schon in manchen Dingen ein Spätzünder), auf der einen Seite ein abgrenzendes Individuum zu sein, auf der anderen Seite aber in der breiten Masse der Normalität verschwinden zu können.

    Joe hat allerdings Recht. Sie wird niemals wie alle anderen sein. Das hat einerseits tiefe philosophische Aspekte, denn irgendwie sind ja alle einmalige Individuen, andererseits ist es aber auch einfach in Nadjas Vergangenheit begründet. Und auch in ihrer Gegenwart, denn schließlich hat nicht jeder zweite Student einen Millionär hinter sich und schon gar nicht als Lebensgefährten.
    Nadja könnte eigentlich stolz darauf sein, was sie ist und wie sie ist. Ich fürchte aber, bis sie soweit ist, wirds noch dauern :)
    Aber die beiden haben eine Lösung gefunden und das freut mich sehr. Wieder ein Stückchen vom Problemberg abgebaut! Gut gemacht, Joe! Lern was draus :) Zum Beispiel, dass es gar nicht weh tut, zu reden, wenn man es richtig anfängt!

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  2. Ich wusste es, dass sie es schaffen das Thema in Ruhe zubesprechen. Geht doch :-).
    Nun werden die Beiden bestimmt Prospekte durchforsten, um das richtige Colege in Seattle zufinden. Weiss Nadja denn nun langsam was sie mal werden will? Sie hatte ja schon mehrere Ideen.
    So oder so haben sie einen guten Lösungsanfang gefunden. Ein Auslandssemester scheint eine gute Idee zu sein. So kann Nadja trotzdem die meiste Zeit zuhause studieren und aber auch ein paar Monate was ganz anderes sehen und andere Erfahrungen - auch mal ohne Joe - machen.

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