Sonntag, 12. Februar 2012

Ich bin hier um zu helfen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Möchtest du einen Tee?", schlug Dr. Rosenbaum vor. Nadja stand immer noch wie ein begossener Pudel im Raum und wusste nichts mit sich anzufangen. Zögerlich nickte sie und zuckte doch gleichzeitig mit den Schultern. "Komm, ich zeige dir die Teeküche. Und ich kann dir auch den Testraum zeigen. Hier geht nichts geheimnisvolles vor sich. Hier versteckt sich niemand der uns zuhört. Hier sind nur du und ich." Dr. Rosenbaum schritt vorran und wieder folgte Nadja eher wie automatisch.

Der Testraum war relativ nüchtern eingerichtet und es waren viele Kartons mit Puzzles oder anderen Spielen darin. Nadja lauschte nur mit halbem Ohr den Erklärungen. Aber langsam verlor die Situation ihren skurilen Charakter. Es fühlte sich nun mehr an als würde eine neue Freundin ihr die Wohnung zeigen. Dann gingen sie in die Teeküche und die Ärztin machte sich daran das Wasser aufzukochen. "Was magst du denn für Tee?" "Ich weiss nicht. Ich trinke meistens Kaffee.", gab Nadja zu. "Ich mache dir einen Apfeltee.", wure kurzerhand entschieden und sobald das heisse Wasser in den Tassen war, verbreitete sich ein angehemer Duft.

Dr. Rosenbaum drückte Nadja ihre Tasse in die Hand. "Wollen wir wieder rübergehen?", schlug sie vor und ging sofort wieder entschlossen voran. Im Gesprächszimmer gab es verschiedene Möglichkeiten, sich hinzusetzen. Ein Schreibtisch mit zwei Stühlen davor, eine kleine Sitzgruppe aus fünf Sesseln um einen flacheren Tisch und auch ein großes Sofa an der Wand. Sofort steuerte sie auf das Sofa zu und ließ sich am einen Ende nieder. "Setz dich.", mahnte sie freundlich und deutete auf den freien Platz neben sich. Mit der Tasse in der Hand, ließ Nadja sich etwas steif und ungelenk nieder und schaute erst die Ärztin unsicher an und starrte dann doch in ihre Tasse.

Ein paar Sekunden sagte niemand was. Nadja wure die Stille etwas unbehaglich und sie sah immer wieder kurz hinüber. "Was kommt jetzt?", fragte sie dann wieder völlig verunsichert. Auf den Augenblick hatte Die Therapeutin gewartet. Jetzt war Nadja bereit. "Das musst du mir sagen.", wiegelte sie dennoch ab. Nadja schluckte doch die Ärztin sprach weiter. "Ich bin nur hier um Hilfe anzubieten. Du bist allein hier hergekommen. Zwar hast du dich selbst nicht angemeldet. Aber niemand begleitet dich. Also kann ich wohl annehmen, dass du ein gewisses Verständnis dafür mitbringst, warum du hier bist. Ich könnte auch sagen: Du siehst ein, dass es Probleme gibt, die du allein nicht mehr lösen kannst."

Nadja nickte unsicher. "Aber ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen muss oder sagen muss." "Und ich noch weniger.", kam der Einwand, "Alles, was man mir gesagt hat ist, dass du derzeit schlecht schläfst und zuweilen sehr deprimiert bist, insgesamt einfach nicht wirklich glücklich sein kannst. Warum das so ist, weiss ich nicht. Ich hoffe das finden wir gemeinsam heraus." Sie unterbrach kurz ihre Rede und wartete, bis Nadja sie ansah. Dann fesselte sie sie mit ihrem Blick. "Alles, was du hier sagst, bleibt in diesem Raum. Niemand hört uns zu und ich werde niemand davon erzählen, was hier passiert ist. Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist darauf zu vertrauen. Aber du hast mein Wort. Und auch bin ich nicht hier um zu verurteilen oder igendjemand die Schuld zu geben. Ich bin hier um dir zu helfen und das werde ich nach besten Kräften tun." "Mein Vater ist schuld!", platzte es aus Nadja heraus.

Kommentare:

  1. Nun muss sie auch erklären woran und warum ihr Vater Schuld ist und da reicht auch nicht ein: an allem!
    Tja, nun hat Nadja den ersten Schritt getan und das auch noch ganz freiwillig und alleine. Nun muss sie auch die nächsten gehen. Sie schafft das schon, denk ich.
    Es ist schwer, eine Mauer fallen zu lassen, die man über eine lange Zeit sorgsam aufgebaut hat. Aber die Rosenbaum macht einen guten Anfang und offenbar hat Nadja bereits ein gewisses Vertrauen gefasst. Mach einfach weiter so, Nadja!

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  2. Ich denke Dr. Rosenbaum macht es schon recht gschickt, Nadja die Angst und Scheu zu nehmen. Sie führt sie langsam ein, zeigt ihr alles, fordert erstmal nichts. Klar, dass es nicht so weitergeht, aber das wird die Zeit bringen. Nadja wird dann auch offener über die Vergangenheit reden können. Natürlich scheint der Vater an allem Schuld zu sein, aber so einfach wird es bestimmt nicht sein. Es gibt immer mehr als einen Aspekt, der das Leben bestimmt. Genauso gut kann Nadja auch ihrer Mutter eine Teilschuld geben, weil die sich damals nicht schon gegen den Vater aufgelehnt hat, Nadja vielleicht zu einer weit weg wohnenden Tante geschickt hat oder ähnliches.

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