Samstag, 18. Februar 2012

Dressierter Affe und Drache

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

James starrte auf in die unendlich scheinenden Gänge des Archivs. Er konnte immer noch nicht fassen, was man hier von ihm verlangte. Er sollte sich eine Akte nach anderen vornehmen und in einem ersten Durchgang verschiedene Eckdaten, wie Datum, Adresse und Gebäudeart, der Bauvorhaben katalogisieren. Darüber hinaus sollte er auch eine entsprechende Datenbank entwerfen, in der man problemlos nach den Vorgängen suchen konnte und welche sich später möglichst simpel in andere Systeme integriern ließ.

Das Entwerfen der Datenbank war durchaus eine Arbeit welche er für angemessen hielt, wenn auch keine wirklich anspruchsvolle. Bei den wenigen Eintragungen, die für jeden Vorgang vorgenmmen werden sollten, war das eine Arbeit von kaum ein paar Stunden. Doch das katalogisieren empfand er als reine Demütigung. Das war doch eine Aufgabe für einen dressierten Affen, einen Praktikanten oder jemand mit Lernbehinderung. Nicht für einen Collegeabsolventen mit 20 Jahren Berufserfahrung in der Technikbranche.

Es hatte einen unschönen Wortwechsel zwischen Evelyn und ihm gegeben. Doch genutzt hatte es nichts. Sie blieb stur dabei, dass er diese Aufgabe zu übernehmen hätte und Hilfspersonal nicht vorgesehen sei. Dann hatte sie ihm kurz seinen Computer gezeigt, die Annmeldedaten für das System ausgehändigt und ihn allein gelassen, mit der Ansage, besser sofort zu beginnen. James strich ein paar mal durch die Gänge und zog die ein und andere Akte heraus. Gelangweilt und ohne echtes Interesse verschaffte er sich einen kurzen Überblick.

Dann setzte er sich an den Computer und meldete sich an. Zufrieden stellte er fest, dass ihm ein Internetzugang zur Verfügung stand. Dann konnte das hier ja doch noch recht interessant werden. Da er davon ausging, für den Rest des Tages allein gelassen zu werden, widmete er sein Interesse ersteinmal den enschlägigen Nachrichtenseiten. Danach warf er einen Blick auf das Intranet der Stadtverwaltung und besorgte sich die Information über den Speiseplan der Cafeteria, welchen er ausdruckte und mit Klebeband an der Wand befestigte. Schließlich brauchte es etwas worauf man sich freuen konnte, in einem fensterlosen Keller.

So vergingen gemütliche zwei Stunden, als plötzlich die Tür summte und sich öffnete. Erschreckt fuhr James herum. Evelyn stand sofort hinter ihm. "Wie weit sind Sie gekommen? Ich würde gern den ersten Entwurf der Datenbank sehen.", hakte sie scharf nach. James schluckte. "Ich abe mir zuerst einen Überblick über das Archiv verschafft.", presste er hervor. "Und zu welchem Ergebnis sind Sie dabei gekommen?" James klappte den Mund auf und zu. "Wo sind ihre Notizen?", bohrte Evelyn weiter. "Sie hatten nun über zwei Stunden Zeit. Wollen Sie mir erzählen, das einzige Ergebnis ihrer Arbeit ist der ausgedruckte Kantinenspeiseplan?" "Die Aufgabe ist anspruchsvoller als sich das anhören mag.", platzte James mit einer seiner Standardaussagen heraus. "Papperlapapp. Das ist eine vollkommen triviale Anwendung. Das können Sie meinetwegen in Access oder in SQL schreiben. Hauptsacche es bleibt portierbar. Und in einer Stunde will ich den ersten Entwurf der Datenbank sehen." Damit rauschte Evelyn ab.

Kommentare:

  1. Muhahaaa... zwei Stunden für das Ausdrucken des Kantinenplans! Das gefällt mir!
    Tja, sogar ohne Tageslicht und nur bei Neonlicht betrachtet hat James wohl ein wenig mehr Überwachung als bei Netcorp. Zu blöd, dass er so wenig Hirn hat, daran zu denken, dass ein Neuer auch genauer beobachtet wird! Er hätte sich den Drachen Evelyn lieber zum Freund machen sollen. Aber zu so etwas ist er ja nicht fähig, hm? Arme Ashely... die tut mir nun wirklich arg leid.

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  2. das nenn ich mal keinen guten Start ;) C.H.

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