Dienstag, 14. Februar 2012

42 Stunden

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Joe saß mit schlechtem Gewissen im Büro. Nadja war jetzt gerade bei ihrer Therapeutin und er hatte sie allein da hinfahren lassen. Doch alles war so hektisch geworden. Als er sie gestern Abend in ihrem Zimmer gefunden hatte, war ihm sofort klar geworden, dass es jetzt endgültig an der Zeit war etwas zu unternehmen. Er hatte vor den Problemen, die sie plagten, zu lange die Augen verschlossen. Aber war das wirklich das richtige gewesen, ihr einfach diesen Termin zu besorgen und sie dann damit alleine zu lassen? Hätte er überhaupt mit hinein gedurft? Seufzend versuchte er sich auf seine Arbeit zu konzentrieren.

Er musste sich arg überwinden nicht einfach dort anzurufen. Den Termin hatte er angenehmerweise per Mail ausmachen können. Es war extrem glücklich gewesen, dass sie direkt für heute eine Doppelstunde Zeit erübrigen konnte. Zwar hatte Nadja eigentlich die Schule nicht versäumen wollen und wäre lieber am Nachmittag gegangen, doch Joe hatte kurzerhand entschieden, dass sie ohnehin nicht in der Lage wäre, dem Unterricht sinnvoll zu folgen.


James saß zähneknirschend vor dem Vertrag. Er ärgerte sich, dass er hier jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt worden war, oder vielmehr, dass er sich so hatte hinstellen lassen. Er hätte die ganze Sache sofort mit einem Anwalt besprechen sollen. Die konnten ihn doch nicht mit lumpigen 44.000 im Jahr abspeisen. Davon konnte er auf keinen Fall die Lebenshaltungskosten decken. Und als wäre das nicht genug, so grinste ihn dieser dämliche Bradshaw auch noch fies an. "Wollen Sie die Stelle nun, oder nicht?", bohrte er und streckte schon die Hand nach der Mappe aus.

Schnell zog James sie zurück und griff zu einem Kugelschreiber. Die Frau im Arbeitsamt hatte klar gesagt, dass er keinerlei Unterstützung bekommen würde, solange dieses Jobangebot bestand. Also konnte er sich später immer noch mit einem Anwalt dagegen wehren und mehr Geld erstreiten. Hastig unterzeichnete er den Vertrag und schob die Mappe nun freiwillig zu Bradshaw zurück. "Hier ist ihre Ausfertigung und hier ihre Karte. Sie füllen mir bitte bis heute zum Feierabend den Personalbogen aus. Wir müssen ja ihre aktuellen Daten haben. Von damals existieren logischerweise keine Aufzeichnungen mehr."

James nickte und fühlte sich wie ein Schuljunge, der vom Direktor abgekanzelt wurde. "Für Neueinsteiger beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 42 Stunden. Dies wurde so festgelegt, da Neulinge meistens nicht mit der selben Effektivität arbeiten, wie die 'alten Hasen' das tun."
"42 Stunden?" James schnappte nach Luft, "Bei NetCorp musste ich nur 37,5 Stunden arbeiten."
"Dann wird das ja eine harte Zeit für Sie.", meinte Bradshaw nur süffisant. "Nun parken Sie ihr Auto um. Beachten Sie, dass die ersten drei Reihen des Parkplatzes für leitende Angestellte reserviert sind. Parken Sie also erst in der vierten Reihe oder weiter hinten. Und in zehn Minuten erwartet Sie dann unsere Archivarin Evelyn an der Hauptpforte und wird Sie in ihre Tätigkeiten einweisen."

Mit einem unguten Gefühl verließ James das Büro des Personalchefs. Das lief hier keineswegs so, wie er sich das vorgestellt hatte.

Kommentare:

  1. Ach, Joe ist schon niedlich in seinem Beschützerinstinkt. Wie hätte er denn etwas unternehmen sollen, wenn sie den Mund nicht aufmacht? Er hat alles richtig gemacht.

    James darf im Archiv arbeiten? Ach, das ist schön! Staubige Akten sortieren.. nein, abstauben, alte Unterlagen katalogisieren und neue archivieren.. hehe! Langweilig und immer noch zu gut bezahlt.
    Dass der immer noch keine kleineren Brötchen backen kann! Motzt über die Kohle, statt sich zu überlegen, wo man einsparen kann.
    Allerdings kam er Gott sei Dank noch nicht auf die Idee, Ashley von der Schule zu nehmen. Wäre übel, wenn ihre Zukunft unter seiner Dummheit leiden muss.

    AntwortenLöschen
  2. James ist wirklich unbelehrbar. Der meint immer noch einen auf dicke Hose machen zu können und an seinem gewohnten Lebensstandart anknüpfen zu können. Aber als neuer an einer neuen Arbeitstelle, fängt man nunmal ganz klein an. Auch wenn James sich ja zu höherem bewogen fühlt gg. Ich hoffe ja mal, dass Evelyn ein richtiger Drache ist, der James bei den Hammelbeinen packt und ordentlich leiden läßt.

    AntwortenLöschen
  3. Akten entstauben wäre noch eine zu nette Arbeit für ihn. Ich wäre dafür, dass er zur Toilettenreinigung abgestellt wird, weil niemand mit ihm arbeiten will und die Dame von der Putzkolonne einen Unfall hatte.

    Ashley tut mir bei dem Ganzen ziemlich leid, sie ist mit Nadja befreundet und nur weil ihr Vater so ein geldgeiler Vollmuffti ist, wird vermutlich die Freundschaft der Mädchen darunter leiden.
    Wollen wir mal hoffen, dass Joe und Nadja (intelligenterweise) jetzt endlich öffentlich zu ihrer Beziehung stehen und James nichts mehr bei Joe rausholen kann, sondern noch eine saftige Klage wegen Erpressung etc an den Pobbes gehängt kriegt.

    Ich bin mal gespannt wie es weitergeht, ich hoffe ich komme vor meinem Umzug dazu die neuen Posts zu lesen, ansonsten kriegst du wieder einen langen Kommentar unter den neuesten Post, Joe. ;-)

    Lgchen Jay

    AntwortenLöschen

Bitte beim Kommentieren höflich bleiben. Es gibt hier die Möglichkeit Anonym zu kommentieren, aber denke bitte kurz nach ob du das wirklich möchtest. Unterzeichne deinen Kommentar doch mit einem Pseudonym oder deinen Initialen, dass man weiß, welche Kommentare alle von dir sind. Oder noch besser, du nutzt nicht die Auswahl "Anonym" sondern "Name/URL" und lässt das Feld für die URL einfach frei. Dann wird dein Kommentar mit deinem selbst gewählten Namen angezeigt.

Vielen Dank.