Dienstag, 6. April 2010

Freudenmädchen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Ga'ilana verabschiedete sich. Sie wollte Jurina im Kinderdorf suchen gehen, damit auch sie es noch zum Frisör schaffen würde. Spätestens nach dem Mittagessen würde sich das Gerücht herumgesprochen haben, und dann wird der kleine Schönheitssalon hoffnungslos überfüllt sein und die Mädchen machen sich wieder gegenseitig die Nägel.

Nadja wollte allein sein. Sie ging zum Strand und kauerte sich unter einem Baum in den Sand und lehnte sich an. Warum fühlte sie sich so schlecht? Sie hatte für so viele Männer die Beine breit gemacht. Und die allerwenigsten davon hatte sie auch nur im entferntesten leiden können. Die meisten waren ihr schlichtweg zuwider gewesen. Und doch hatte sie es getan weil Boris und seine Schlägertruppe doch nur darauf warteten sie durchzuprügeln und zu vergewaltigen, sollte sie nicht spuren.



Und nun war sie keine Nutte mehr. Nun hatte sie die Wahl. Sie konnte sich aussuchen ob sie mit Männern schlief oder nicht. Immer noch spürte sie dieses drückende Gefühl, dass das Versprechen auslöste, dass sie Jurina gegeben hatte. Thorsten Stahl tat so viel für sie. Er hatte ihr eine Reise zu ihrer Familie bezahlt, Taschengeld gegeben, sie vor allem möglichen Unheil beschützt. Und auch hier auf der Insel tat er alles. Nicht zu vergessen, dass er sie hatte freikaufen lassen. Wäre er nicht gewesen würde sie heute noch für jeden Trunkenbold der noch 20 Euro in der Tasche fand die Beine breit machen.

Und was war sie nun? Nun war sie eine freie Frau und konnte hingehen wo sie wollte, tun was sie wollte und Sex haben oder es lassen. Aber dafür war sie doch nicht hier. Die Insel war der Privatharem von Thorsten Stahl und seinen Gästen. Sie war hier um diesen Leuten den Aufenthalt zu versüßen. Aber welche Verpflichtung hatte sie dazu? Keine außer der moralischen sich selbst gegenüber.

Aber war nicht das schöne Heim, das Taschengeld und die Reisen auch eine Form der Bezahlung? Nahm sie nicht immer noch Leistungen an? Was wenn sie sich jetzt für Sex hingab, war sie dann nicht genau das Gleiche wie in Deutschland?

Ihre Überlegungen kreisten immer weiter um die Frage: Was war sie nun? Langsam verschwand das schlechte Gefühl und ein neuer Gedanke kam auf: Sie war niemandes Eigentum. Sie war frei und konnte tun was sie für richtig hielt. Und natürlich war sie auf der Insel damit die Männer die herkamen es angenehmer hatten. Dann fiel ihr ein Wort ein, dass ein alter Freier im Puff benutzt hatte. Damals war es ihr so deplaziert vorgekommen. Er hatte sie als Freudenmädchen bezeichnet. Und das war sie damals nicht gewesen. Niemand hatte echte Freude an ihr gehabt oder auf ihre Gesellschaft wert gelegt solange es sich nicht in der Waagerechten abspielte. Aber jetzt war sie es. Hier gab es eine Party auf der man sich amüsieren und kennenlernen konnte. Hier würde sie sich aussuchen können, wem sie bereit war sich hinzugeben. Je mehr sie darüber nachdachte desto mehr gefiel ihr das Wort.

Das war, was sie hier sein wollte: Ein Freudenmädchen. Jemand der anderen Freude bereitet, sich dafür aber nicht selbst aufgibt sondern sich gut fühlt. Sie würde auf diese Party gehen und wenn sie sich gut dabei fühlte, würde sie sich einem Mann hingeben. Nicht nur allein aus Dankbarkeit sondern aus Freude. Vielleicht konnte sie ja sogar endlich einmal Sex genießen. So viele Menschen taten es weil es Spaß macht. Sie hatte es bisher nie genossen. Aber vielleicht war ja hier die Zeit dafür reif. Es war zumindest den Versuch wert.

Sanft lächelnd sah Nadja auf das Meer hinaus. Sie lehnte am Baum und schloss die Augen. Das schlechte Gefühl im Bauch war verschwunden. Sie fühlte sich schön und frei und heute Abend würde sie auf eine Party gehen, Tanzen, Feiern und Spaß haben. So oder so. Mit oder ohne Sex.

Und endlich würde sie den geheimnisvollen Mann kennenlernen dem all dies hier gehörte. Und sie würde ihm sagen, wie dankbar sie ihm war, dass sie hier sein durfte.

Kommentare:

  1. Das ist ein interessanter Gedanke, den sie da hat. Wobei jeder, der sich mit ihr einlässt, trotzdem eine Straftat begeht. Wie ist das eigentlich auf dieser Insel? Zu welchem Staat gehört die? Welche Rechtsprechung gilt da?

    Ich bin trotzdem auf die Party gespannt :-)

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  2. Lies mal das Kapitel:

    http://geschichtenblogger.blogspot.com/2010/01/fragen-uber-fragen.html

    Da findest du die Antwort, zu welchem Staat die Insel gehört.

    Damit erübrigt sich dementsprechend auch die Aussage, dass jemand eine Straftat begeht.

    Übrigens wäre es sogar in Deutschland nicht so ohne Weiteres eine Straftat.

    Gruß
    Geschichtenblogger

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  3. Gefällt mir gut, dieses Spiel mit ihrer eigenen Moral und das Ringen um die richtige Begrifflichkeit. Schön geworden. Freue mich schon auf den kommenden Spannungsbogen.

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