Dienstag, 29. April 2014

Implantat

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Montag Vormittag hatten sie es endlich aus der Wohnung in die Innenstadt geschafft. Mary fuhr stolz wie Oskar mit ihrem Auto herum und erzählte Sascha alles, was sie wusste über die Stadt und die Sehenswürdigkeiten. Das war, wie sie ziemlich erschreckt feststellte, erstaunlich wenig. Immer wieder hatte Sascha Fragen, deren Antworten eigentlich banal sein sollten aber was Mary nicht beantworten konnte, sei es die Bedeutung eines großen Gebäudes oder das auch nur ungefähre Alter irgendwelcher Sehenswürdigkeiten.

So beschlossen sie für den Nachmittag eine gemeinsame Stadtrundfahrt zu machen. Es gab reichlich Touristenbusse, die auswärtige Gäste einmal durch die Stadt schaukelten und dabei die wichtigsten Dinge erklärten. Dabei würde auch Mary sicher noch etwas über ihre eigene Stadt lernen, so hoffte sie zumindest.

Der Grund warum sie sich aus der Wohnung bequemt hatten, war aber keineswegs die Lust auf Sightseeing gewesen, sondern, dass Marys Arzttermin anstand. Sie hatte Sascha gesagt, worum es ging und natürlich war auch er Feuer und Flamme dafür gewesen, endlich völlig auf die störenden Latexhütchen zu verzichten. Beim Arzt wollte sie ihn dann aber doch nicht dabei haben. Die Entscheidung für ihre Verhütung wollte sie fällen ohne, dass ihr hibbeliger Freund nebendran oder auch nur im Wartezimmer saß.

So wurde Sascha in ein Café verbannt und musste dort warten, während Mary in der Praxis verschwand. Wenig später war sie wieder da. Es hatte nicht einmal eine halbe Stunde gedauert und jetzt war sie stolze Besitzerin eines Gestagen-Implantates. Vom Eingriff zeugte nur ein kleines Pflaster auf der Unterseite ihres Oberarms und ein merkwürdig fühlbares Stäbchen aus weichem Kunststoff, dass unter der Haut saß. Die Entscheidung war für eine kühl rechnende Mary recht einfach gewesen. Das Implantat kostete zwar über 200 Dollar, doch es würde auch drei Jahre lang wirken. Und in der Zeit würde sie weit über 400 Dollar für ein normales Pillenpräparat ausgeben. Außerdem konnte sie mit einer Pille erst nach ihrem nächsten Zyklus beginnen, der noch einige Tage auf sich warte lassen würde. So war die Entscheidung schnell gefallen.

"Das ging ja schnell.", sagte Sascha beeindruckt, der sich ein Sandwich bestellt hatte, welches noch fast völlig unangerührt vor ihm stand. "Joa. War keine große Sache." Sie zeigte Sascha das Stäbchen und sie lasen gemeinsam noch einmal die kleine Broschüre, welche unmissverständlich sofortigen Empfängnisschutz versprach. Grinsend sahen sie sich an und kichernd hauchte Mary Sascha einen Knutscher auf um seine Ablenkung zu nutzen und das halbe Sandwich zu stehlen. "Gleich muss ich noch auf den Campus. Dauert nur eine Dreiviertelstunde.", erklärte sie mümmelnd. Sascha sah sie schmachtend an. Er wäre am liebsten sofort nach hause gefahren um das Implantat einzuweihen.

"Dann kannst du mir ja auch mal deine Uni zeigen.", überlegte er. Mary nickte. "Ich führe dich gern rum." Und wieder spukte der Gedanke an ihre Eltern in ihrem Kopf herum. Sie beschloss es mit Sascha zu besprechen.

Kommentare:

  1. Mit diesem Beschluss hebt sie Sascha nun tatsächlich in eine ganz andere Ebene der Partnerschaft. Ich bin gespannt, ob ihm das auch bewusst wird. Immerhin müssen beide nun ihre Beziehung definieren. Das wird die Sache entweder vertiefen oder verkürzen. Ich tippe auf ersteres :)

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  2. ich stimme kaygee zu!
    allerdings verstehe ich auch dass sie sascha im cafe sitzen lassen hat
    sie möchte halt trotz ihres freunds unabhäangig von ihm eine entscheidung treffen können. und unabhängigkeit ist für so ein junges mädchen sehr wichtig
    LG Lars

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