Dienstag, 13. Mai 2014

Spielregeln

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Ja, Mama, ich weiß ich hätte mich melden sollen.", sagte Mary pflichtschuldig. Sie fuhr mit dem Auto zum Campus und die Vorwurfsvolle Stimme ihrer Mutter kam aus den Autolautsprechern. "Ja, hättest du.", setzte Sarah noch einmal nach. "Entschuldige. Aber am Samstag komme ich zum Essen, wenn ihr mögt.", gab Mary direkt hinterher. "Schön.", sagte ihre Mutter und wollte sich noch etwas von der Patzigkeit bewahren, doch es war auch in dem einen Wort schon zu hören, wie der Zorn und die Trotzigkeit schmolzen.

Mary holte tief Luft. "Und ich komme nicht allein.", sagte sie schnell. Jetzt war es also raus und sie musste es auch durchziehen. "Achso? Wen bringst du denn mit?", fragte Sarah. Im Kopf war sie schnell die Möglichkeiten durchgegangen. Natürlich kamen Nadja oder eine andere Freundin in Frage. Doch dann hätte Mary sicher direkt den Namen gesagt, statt so eine Show daraus zu machen. Das konnte nur bedeuten, es handelte sich um jemand den sie noch nicht kannten.

"Ich bringe Sascha mit. Ein Junge, den ich sehr mag. Ich habe ihn in Deutschland kennengelernt. Er ist derjenige, der uns nachgereist ist.", erklärte Mary. Die Geschichte, wie er wieder vor ihrer Tür gestanden hatte, hatte Mary natürlich erzählt. Mit Details hatte sie sich natürlich etwas zurückgehalten. Aber, dass sie Sascha sehr mochte, war auch damals schon kein Geheimnis gewesen. "Sascha?", fragte Sarah recht perplex, "Der Junge aus Deutschland? Wie kommt der hierher?"

"Mit dem Flugzeug, Mama.", gab Mary amüsiert zurück, "Er hat von seinem Cousin ein Ticket bekommen. Aus Flugmeilen, die sonst verfallen wären. Sarah war baff. Sie hatte so ein bisschen das Gefühl gehabt, die Romanze zwischen den beiden hätte noch ein Nachspiel in Mails und Chats, doch, dass es so ernst war, das dieser Junge um den halben Erdball flog um ihre Tochter zu sehen, wäre ihr nicht in den Sinn gekommen. "Wie lange ist er schon da? Wie lange wird er bleiben?", sprudelte es aus ihr heraus

Mary berichtete brav, wie es darum stand und Sarah schüttelte einmal mehr den Kopf. "Deshalb hast du uns letztes Wochenende also sitzen gelassen.", fasste sie danach spitz zusammen, doch der amüsierte Tonfall signalisierte ihre Vergebung bereits. "Ja.", gab Mary etwas gequetscht zu. "Schön, dass ihr am Wochenende kommt. Wir freuen uns." Sie machten noch die näheren Umstände des Essens aus und legten dann auf. Marys Herz klopfte bis zum Hals. Bislang hatte sie daheim gelebt. Und wenn ein Junge etwas mit ihr hatte anfangen wollen, musste er ohnehin an ihren Eltern vorbei ins Haus. Jedenfalls wenn die Freundschaft aus mehr als ein bisschen Knutschen auf dem Pausenhof bestehen sollte. Doch mit einer eigenen Wohnung änderten sich diese Spielregeln eben.

Kommentare:

  1. Ja, die Spielregeln ändern sich aber Mütter wissen ja irgendwie doch alles. Oder ahnen es. Achja, und es wird schwieriger, die Mütter dann doch einzuweihen, wenn sie es tatsächlich noch nicht wussten. Weil sie dann nämlich noch viel neugieriger sind und auch noch spitz werden, wenn sie feststellen, dass sie etwas nicht wussten. Das geht gegen Mutterehre, glaube ich *g*

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  2. ich sagte ja schonmal mütter wissen einfach wenn etwas los ist:)
    auch wollen sie immer alles wissen was ihr kind beschäftigt.
    sie wollen immer alle lasten mittragen und kriegen glaube ich gar nicht mit wie schnell ihre kinder erwachsen werden:)
    LG lars

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