Montag, 18. Februar 2013

Ich bin da

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Hektisch riss Lelya das Fenster auf, welches den Ausstieg zur Feuerleiter bildete. Die Schreie wurden sofort lauter und sie kamen eindeutig von unten. Doch was sie nun sah, war nicht ganz, was sie erwartet hatte. In ihrer Vorstellung zerrte Mykola an Maria und sie wehrte sich. Der Blick durch die Gitter nach unten, offenbarte allerdings eine einzelne Maria, die auf dem Treppenabsatz im zweiten Stock hockte.

"Ich komme, mein Kind.", schrie Lelya nach unten und schwang sich, ohne groß Nachzudenken über die Brüstung und begann sofort die Leiter hinunter zu klettern. Auch sie war eigentlich alles andere als Schwindelfrei, doch darauf wollte sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Der Umweg über den Flur und das Treppenhaus hätte ihr zu lang gedauert. So setzte sie einen Fuß nach dem anderen hinunter und ignorierte dabei das Schwindelgefühl und das mulmige Gefühl in der Magengrube.

Schließlich stand sie neben Maria und die Schreie verstummten. "Mama...", flüsterte Maria mit verweinten Augen. Sie hatte sich noch nie so elend gefühlt. Sie konnte weder vor noch zurück. Sie war in Bausch und Bogen ihrem Vater hinterher geklettert und war sofort in Panik ausgebrochen, als sie einen einzigen Blick nach unten geworfen hatte. Durch die Gitter konnte man hier weit über zehn Meter in die Tiefe sehen und das hatte ihr den Atem geraubt und sie sich festklammern lassen. Und so sehr sie wieder reinklettern wollte, so wagte sie doch nicht auch nur irgendetwas von ihrem sicheren Stand aufzugeben.

"Ich bin da. Lass uns gemeinsam ganz vorsichtig reinklettern.", meinte Lelya ruhig und zückte kurzerhand ein Taschentuch und wischte ihre Tochter die Tränen aus dem Gesicht. Maria war nicht fähig irgendwas zu sagen, doch sie nickte heftig. "Du kannst dich an mir festhalten.", versprach Lelya sanft und umschlang nun mit ihrem rechten Arm die Brüstung und deutete durch ein Wackeln an, dass sie jetzt fest stünde. Den linken Arm streckte sie Maria hin. "Gib mir deine Hand. Ganz langsam."

Marias Herz schlug bis zum Hals. Wie in Zeitlupe öffnete sie die Hand, mit welcher sie seit Minuten das Geländer umkrampft hielt. Kaum dass sie losgelassen hatte, schlug sie blitzschnell herum und griff nach der Hand ihrer Mutter. "Gut!", lobte Lelya. "Jetzt gehen wir hinein." Sie griff fest zu und schwang nun ein Bein nach innen und blieb rittlings auf der Brüstung sitzen. "Du musst dich aufrichten und rumdrehen. Ich halte dich fest. Es kann nichts passieren."

Wieder ging es nur ganz langsam los. Die Füße lösten sich von der Feuerleiter. Doch kaum, dass Maria sich herumgedreht hatte machte sie einen Hechtsprung durchs Fenster nach drinnen, landete Unsanft auf dem harten Boden im Flur und riss ihre Mutter gleich noch mit sich, dass sie drinnen durcheinander purzelten. "Autsch!", meinte Lelya überrascht. "'tschuldige.", flüsterte Maria gelöst und versuchte vergeblich ein Schluchzen zu unterdrücken. "Das war nicht ganz, was ich unter langsam verstehen würde.", lachte Lelya und richtete sich auf.


Susan schwang sich über die letzte Hürde und stand nun auf dem Dach. Sie hatte versucht zu sehen, in welch Richtung der Typ gegangen war, doch von unten war das nicht zu erkennen gewesen. Jetzt schaute sie sich um, ob sie irgendwas entdeckte.

Kommentare:

  1. Na Gott sei Dank, Maria ist wieder drin und auch noch von Mama gerettet. Das ist besser als von einem Fremden, denn nun ist Lelya einfach nur froh, ihre Tochter wieder zu haben und das wird ihren Zorn über Marias Ungehorsam mächtig dämpfen.

    Für Maria ist das auch gut, weil sich das Vertrauen zu Mama gerade bestätigt hat. In der Not ist Mama immer da, vielleicht sollte man sie dann doch weniger belügen und einfach mal auf ihre Worte vertrauen.

    Mykola scheint entkommen zu können. Zu ärgerlich! Vielleicht sollte Maria nun doch wieder eine Zeit bei Nadja wohnen, wo der Scutz erheblich höher ist als alleine zuhause. Dieser Drecksack hat einfach zuviel Glück!

    AntwortenLöschen
  2. Toller Vater.
    Hab mich gestern schon über ihn geärgert.
    Weiß nicht, dass seine Tochter solche Höhenangst hat *kopfschüttel*
    Hoffentlich erwischen sie ihn noch.
    ;-) Die Mama hat jetzt was gut bei der Kleinen.

    AntwortenLöschen

Bitte beim Kommentieren höflich bleiben. Es gibt hier die Möglichkeit Anonym zu kommentieren, aber denke bitte kurz nach ob du das wirklich möchtest. Unterzeichne deinen Kommentar doch mit einem Pseudonym oder deinen Initialen, dass man weiß, welche Kommentare alle von dir sind. Oder noch besser, du nutzt nicht die Auswahl "Anonym" sondern "Name/URL" und lässt das Feld für die URL einfach frei. Dann wird dein Kommentar mit deinem selbst gewählten Namen angezeigt.

Vielen Dank.