Mittwoch, 31. August 2011

Peinliche Nachfragen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nachdem man sich endlich vorgestellt hatte, setzten sich die drei an einen Tisch und Geoffrey brachte Getränke und Kekse. Mary wusste immer noch nicht so ganz, was sievon Jurina halten sollte, die jetzt aus heiterem Himmel bei Nadja aufgetaucht war und das auch noch mit einem Baby im Schlepptau. Als für ihren Geschmack genug Belangloses gesagt worden war schaute sie fest zu Jurina. "Wieso hast du ein Baby?", verlangte sie zu wisen.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich dir erklären muss, wie das funktioniert.", grinste Jurina wieder zurück. Mary war es nicht gewohnt auf diese Weise zum Narren gehalten zu werden. Sie setzte ein ziemlich grimmiges Gesicht auf und versuchte Jurina beleidigt anzustarren. Aber ihr fröhliches Grinsen war einfach nicht zu ignorieren und Marys Grimmen schmolz dahin und sie musste selbst ein wenig lachen. "Du weißt, wie ich das gemeint habe.", nickte sie versöhnlich.

Nun nickte auch Jurina: "Es ist ein wenig kompliziert. Aber sagen wir mal, ich habe mich für ein Leben entschieden, dass meiner Mutter nicht so gut passt. Und im Streit darüber sind wir auseinander gegangen. Das mit dem Kind kam erst später. Meine Mutter hat mich also nicht rausgeworfen, weil ich schwanger war. Aber ich habe gelernt für mich selbst zu sorgen. Und jetzt seit ich die kleine Julija habe, sorgt ihr Vater auch noch sehr gut für mich. Er wird mich zwar niemals heiraten. Aber er ist immer für die Kleine da."

Jurina hatte sehr langsam gesprochen und die Worte sehr bedacht gewählt. Sie wollte keinen Hinweis auf Arramoa oder Nadjas Vergangenheit in Deutschland geben. Nadja atmete unhörbar auf, als Jurina so geschickt jede Klippe umschifft hatte. Mary hatte strenggenommen kein Wort verstanden. Sie wusste jetzt eigentlich immer noch nicht mehr als vorher. Vor allem wusste sie nicht, wie diese Freundin zu einem Baby kam. So viele Dinge an ihr kamen ihr spanisch vor. Aber sie entschied sich dafür, lieber Nadja morgen in der Schule darüber auszuquetschen. Fürs erste gab sie sich mit der Erklärung zufrieden. "Woher kennt ihr euch eigentlich?", wollte sie dann aber doch noch wissen.

"Wir sind damals gemeinsam aus Kiew weggelaufen.", erklärte Jurina trocken. Nadja schluckte etwas. Sie hatte ihr weggehen von zu Hause den Freundinnen gegenüber niemals als weglaufen deklariert. Aber sofort beschloss sie, das auf die mangelnden Sprachfähigkeiten von Jurina zu schieben, wenn Mary nachhaken sollte. Für den Augenblick jedenfalls blieb sie davon verschont und man widmete sich wieder etwas belangloseren Themen. Schließlich sah Mary auf die Uhr. "Wenn wir noch etwas am Computer machen wollen, müssen wir jetzt anfangen.", meinte sie verlegen. Jurina nickte sofort. "Wenn ihr noch etwas vorhabt, will ich nicht stören." Nadja und Mary gingen schließlich nach oben und Jurina blieb mit einem Buch und der Kleinen im Wintergarten. Für diesen Tag hatte Nadja aber auch weiterhin Ruhe vor peinlichen Nachfragen von Mary.

Kommentare:

  1. Das ist ja alles irgendwie viel zu glatt gegangen.

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  2. Och, ich denke, auch Mary ist ein wenig überfordert mit der Situation. Dafür darf Nadja morgen in der Schule dran glauben und wenn sie pfiffig ist, bespricht sie das heute abend noch mit Jurina. Dann ist sie vorbereitet. Sie müsste es sich ja denken können, dass die neugierige Mary das haargenau wissen will. Besonders mit dem Weglaufen aus Kiew. Möglicherweise wird Mary dann auffallen, dass sie die Vergangenheit von Nadja gar nicht so richtig kennt. Ich bin sehr gespannt, ob Nadja nun mit einem Teil der Wahrheit herausrückt oder ein Lügengebäude aufbaut. Verständlich wäre es, denn eine wichtige Passage wird sie niemals erklären können. Sie kann natürlich auch sagen, dass sie darüber nicht reden will. Ich würde das vorziehen. Aber ich bin ja auch nicht Nadja ;-)

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