Montag, 15. August 2011

Community Village

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Jurina sah sich auf dem Flughafen um. Sie war inzwischen schon öfter geflogen. Aber immer in Gruppenreisen mit den anderen Mädchen zusammen. Von denen kannte sich immer wenigstens eine gut aus. Diesmal war sie allein unterwegs. Etwas verwirrt blickte sie auf die vielen Piktogramme, die auf den Schildern angebracht waren. Endlich endteckte sie im Wust der Beschriftungen das Wort Exit. "Na also, warum eigentlich so kompliziert. 'ne Tür hätte es auch getan.", sagte sie mehr zu sich selbst. Dann griff sie beherzt an den kleinen Kofferwagen und schob ihn Richtung Ausgang.

Ein wenig bedauerte sie, dass sie nicht auf Felix gehört hatte. Er hatte ihr einen vollen Service angeboten. Mit Limousine und allem drum und dran. Aber Jurina hatte das ganze betüddelt werden satt. Sie wollte sich endlich mal wieder um sich selbst kümmern. Nicht zuletzt dazu diente ja auch dieser Trip. Das First-Class-Ticket hatte sie allerdings schon angenommen. Der bevorzugten Behandlung war es auch zu verdanken, dass sie zum Ausgang nicht weit zu laufen hatte.

Etwas patzig steckte sie die Sonnenbrille in ihre Handtasche. "Die hätte ich mir sparen können.", maulte sie, als sie das Gebäude verlies und in den Wolkenverhangenen Himmel blickte. Wenigstens war es angenehm warm, so dass sie in ihrer Caprihose und dem kurzen Top nicht fror. Allerdings war sie doch dankbar, dass sie vorher das typische Wetter im Internet herausgesucht hatte. Im Koffer befanden sich deshalb auch einige lange Hosen und sogar der ein und andere Pulli.

Gleich kam es darauf an. Als sie aus der Ukraine aufgebrochen war, sprach sie kein einziges Wort Englisch. Auf Arramoa hatte sie in den letzten zwei Jahren, die sie dort verbracht hatte immer mehr davon gelernt. Da Thorsten Stahl deutscher war, umgab er sich zwar auch mit vielen deutschen Geschäftsleuten, aber wenigstens genauso viele von ihnen sprachen andere Sprachen. Und natürlich auch Englisch. Und so verhielt es sich natürlich auch auf Arramoa. Auch wenn die offizielle Sprache der Insel eher Deutsch war, konnte es keineswegs schaden, zumindest auch Englisch zu lernen. Anfangs hatte Jurina das etwas widerwillig, später mit wachsender Begeisterung geübt. Und nun musste sie sich bewähren.

Sie schob den Kofferwagen zu einem Taxi. Gelangweilt saß der Fahrer auf seinem Sitz. Er warf einen prüfenden Blick zur Seite. Dann stieg er aus und öffnete den Kofferraum und legte stumm den hinten in seinen Wagen. Jurina grinste. Das war schon mal leicht gewesen. Dann machte sie es sich auf der Rückbank bequem, nicht ohne vorher gewissenhaft die Gurte geschlossen zu haben. Der Taxifahrer gab dem kleinen Transportgefährt noch einen Tritt, so dass es in die Nähe einer Sammelstelle rollte. Dann stieg er ein. "Wo soll's denn hingehen?", fragte er ziemlich akzentuiert. Jurina war froh, dass sie ihn gut verstand. Sie zog den Zettel mit der Adresse aus ihrer Tasche und las vor.

"Kein Problem.", gab der Fahrer wieder zurück. Jurina grinste und schon ging die Fahrt los. Sie hatte sich an wenig Städtereisen beteiligt. Die meisten anderen legten es oft darauf an in die großen Städte zu kommen. Aber sie war ohnehin nicht viel verreist. Und wenn, dann waren es die Skiurlaube gewesen, die es ihr angetan hatten. Und dabei bekam man weder New York noch Rom oder sonstige Metropolen zu Gesicht. Die Fahrt durch diese Stadt war für sie also schon aufregend genug. Zum Glück konnte sie sich auch gut auf den Anblick konzentrieren. Nichts störte sie während der Fahrt.

"Das ist im Community Village. Haben Sie einen Code für die Schranke? Oder werden Sie erwartet?", fragte der Fahrer nach einer Weile. "Community Village? Schranke?", fragte Jurina perplex. Der Fahrer lachte auf. "Da wo sie hinwollen wohnen die ganz Reichen. Da dürfen Sie nicht einfach so rein. Das ist ein ganzes Viertel wo man nur durch 'ne Schranke rein kommt. Und das klappt nur, wenn Sie entweder den Code haben um die Schranke selbst zu öffnen. Oder eben angemeldet wurde, dass Sie kommen." Jurina sog die Luft scharf durch die Zähne. "Uhhhh.", entfuhr es ihr. "Das ist ein Überraschungsbesuch." "Solche Leute mögen keine Überraschungen.", meinte der Fahrer stumpf.

Kommentare:

  1. Da dürfte sich Nadja aber freuen, denke ich mal. Und Jurina gegenüber muss sie auch nichts verheimlichen. Statt dessen kann sie mit ihr über alte Zeiten, ihre Hochzeit und Jurina selbst reden.

    Ist eine schöne Idee, dass die alte Freundin sich blicken lässt. Bin gespannt, was sie zu erzählen hat.

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  2. Endlich mit offenen Karten vor wem spielen können - in allen Punkten! Das ist mit Sicherheit auch mal eine große Erleichterung für beide! Und lange gesehen haben sie sich ja auch schon nicht mehr. Ich bin neugierig. C.H.

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