Freitag, 26. August 2011

Fertig gelästert

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Schließlich war Jurina mit dem Stillen fertig und hielt Julija noch einen Augenblick auf dem Arm. Schließlich summte sie noch ein Schlaflied und legte ihre kleine Tochter dann vorsichtig zurück in das Nest aus Decken, dass sie gebaut hatte. "Schlaf gut, meine Süße.", lächelte sie dann wieder. Nadja hatte die ganze Zeit stumm zugesehen. Aber der Gedanke an ein Baby ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Schließlich gingen die Mädchen hinunter ins Wohnzimmer. Jurina legte das Babyfon neben sich ab und lächelte. "Du warst so still vorhin?", fragte sie etwas unbestimmt. "Ach, ich war nur in Gedanken.", wiegelte Nadja ab. Jurina hatte so eine Ahnung, was für Gedanken das gewesen sein könnten und setzte ein Grinsen auf. Dabei beließ sie es aber auch. Nadja drehte den Kopf weg. "Grins nicht so.", verlangte sie, hörbar peinlich berührt.

Dann nahm sie die Fernbedienung. "Wollen wir einen Film schauen? Oder Musik hören?", schlug sie vor, weil ihr das Thema irgendwie peinlich war. "Lass uns lieber Musik hören. In drei Minuten sind wir doch ohnehin wieder am Quatschen. Wäre schade um einen Film.", lachte Jurina. Nadja wählte Musik aus und legte die Fernbedienung weg. Schon wenig später war es wieder wie früher und sie erzählten sich den neuesten Tratsch. Jurina war vor allem daran interessiert, wie es in amerikanischen High-Schools zuging. Denn wenn sie irgendwann die Insel verlassen würde, hatte sie, statt der Ukraine, Amerika im Sinn. Mit Deutschland verband sie zu viele schlechte Erinnerungen, als dass sie sich dort wohl fühlen könnte.

Als es später wurde und sich Julija zum zweiten Mal meldete beschlossen die Mädchen, schlafen zu gehen. Jurina verschwand in ihrem Gästezimmer und Nadja warf noch einen kurzen Blick auf die kleine Julija. Sofort war wieder das warme Gefühl präsent und sie kam leise zu Joe ins Arbeitszimmer. "Na, fertig gelästert?", feixte er. Doch dann bemerkte er Nadjas nachdenkliches Gesicht. "Alles Okay?" Nadja nickte und kuschelte sich auf seinen Schoß. Ihre Gedanken nahmen gerade einen merkwürdigen Weg.

Seufzend legte sie den Kopf an Joes Schulter. Sie war froh, dass Joe nicht groß nachfragte. Sie musste in ihrem Kopf erst einmal selbst Ordnung hineinbekommen. Wenn sie jetzt noch auf Arramoa wäre, könnte sie mit jedem darüber reden, dass sie Joe liebte. Niemand würde sich daran stören. Und sie könnte vollkommen problemlos eine kleine Tochter bekommen und sich liebevoll um sie kümmern. Dafür wäre sie natürlich auch nicht ständig bei Joe und sie würde auch nicht Karriere als Ärztin machen können. Aber war das wirklich so wichtig?

"Wollen wir nicht lieber im Bett weiterkuscheln?", schlug Joe schließlich vor und riss sie aus ihren Gedanken. "Okay." Nadja rang sich ein Lächeln ab und gab Joe einen Kuss. "Bist du hier fertig? Sonst gehe ich schon mal vor." "In einer Minute." Nadja ging ins Schlafzimmer vor und machte sich für die Nacht fertig. Dann legte sie sich ins Bett und starrte an die Decke. Jurinas Besuch hatte ihre Pläne auf eine gehörige Probe gestellt. Vor kurzem noch hatte sie mit Joe einen Streit vom Zaun gebrochen, darüber, auf welches College sie gehen wollte. Und jetzt dachte sie darüber nach, ihn zu fragen, wie er zu einem Baby stand.

Kommentare:

  1. da joe eh nur arbeiten im kopf hat und das seine geliebte nadja glücklich ist, wird ihm das sowas von schnups egal sein, ob sie nun studiert oder erstmal mama werden will, hauptsache sie ist glücklich und in seiner nähe...was anderes zählt ja nich für ihn...wie war der ausdruck noch gleich..voll das harmoniebärchen :D

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  2. Stimmt, ein Harmoniebärchen ist er tatsächlich. Aber ich denke trotzdem, dass Joe auch eine gute Portion Realismus besitzt. Er ist noch nicht zu alt und kann ein bisschen warten mit dem Vater werden. Fraglich ist, ob Nadja warten will. Was hat sie von einer Ausbildung, wenn sie den Beruf dann nicht ausübt, weil sie ein Baby hat?
    Tja, schwere Fragen und noch kein Zeitpunkt, darüber zu reden. Schwierig. Aber auch typisch Teenie.. eben noch war sie glücklich darüber, verlobt zu sein und es genügte ihr. Jetzt hat eine Freundin ein Baby und sie will auch. Welche VErantwortung dazugehört, scheint beiden (Nadja und Jurina) noch nicht so richtig bewusst zu sein.

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