Mittwoch, 25. Juni 2014

Nervenbündel

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Die Tasche stand längst gepackt im Kofferraum ihres Wagens. Die Hebamme hatte ein paar Tipps gegeben, was Nadja mit ins Krankenhaus nehmen sollte. Alles medizinische würde sie dort bekommen, doch bequeme Klamotten von daheim und ein vertrautes Kissen, seien durch nichts zu ersetzen, hatte sie erklärt. Auch ein Ladegerät für das Handy und eine Kamera waren in der Tasche.

Nadja hatte sich lange dagegen gewehrt die Tasche fürs Krankenhaus zu packen. Irgendwie war in ihr der Gedanke verankert, wenn die Tasche gepackt wäre, dann würde das Baby schließlich auch kommen und sie wollte nicht, dass das zu früh passierte. Doch nun waren es keine drei Wochen mehr bis zum errechneten Termin und der letzte Besuch der Hebamme hatte mit den Worten geendet: "Bis bald. Ich wette es dauert nicht mehr lange."

Nach wie vor fuhr sie täglich zu ihrer Praktikumsstelle. Inzwischen war vieles noch beschwerlicher geworden. Doch sie kämpfte sich durch. Noch vor Wochen hatte sie gedacht, der Bauch könne überhaupt nicht mehr größer werden, doch er war es geworden und die Kugel, die sie nun vor sich her schob wurde jeden Tag immer noch gewaltiger. Dennoch wollte sie um nichts auf ihren Job verzichten. Auch weil sie sich dort sehr gebraucht fühlte. Alle in der Beratungsstelle redeten auch längst davon, wie sehr sie fehlen würde, wenn es erst soweit war.

Immer wieder fragte Nadja sich, wo es wohl so weit sein würde. Schon seit Tagen plagten sie nun kleinere Wehen, die von Zeit zu Zeit durch ihren Körper rollten. Die Hebamme hatte das als harmlos abgetan und nur gesagt, es würde wohl bald so weit sein. Inzwischen machten diese Schmerzwellen sie auch nicht mehr verrückt, wie die ersten paar Male. Dennoch war es unangenehm zeitweise, was immer sie gerade tat, mit leichtem Hecheln und starken Schmerzen unterbrechen zu müssen.

Joe war noch viel nervöser als Nadja. War er zu Beginn der Schwangerschaft ihr Ruhepol und unumstößlicher Fels gewesen, so war er nun nur noch ein Nervenbündel. Zwei bis drei Mal am Tag rief er an und fragte, ob alles in Ordnung sei. Nadja verschwieg ihm längst Anzahl und Intensität der Vorwehen, um ihn nicht noch mehr in Panik zu stürzen. Er hatte sie schon beim ersten Mal ins Krankenhaus bringen wollen. Doch Nadja verspürte nicht die geringste Lust die Tage vor der Geburt dort zu verbringen.

Ihre anfängliche Angst über die Geburt an sich war einer soliden Gleichgültigkeit gewichen. Inzwischen hatte sie eine ziemlich genaue Vorstellung von den Schmerzen und sonstigen Qualen und Peinlichkeiten, die während der Geburt über sie ergehen würden, doch inzwischen war sie bereit, so ziemlich alles gegen den enormen Bauch einzutauschen. Und sie hoffte, es werde nicht auf der Arbeit passieren, wenn die echten Geburtswehen sie überraschen würden.

Kommentare:

  1. Jetzt wird joe also langsam nervös...:)
    ich finde es bewundenswert wie gelassenn nadja der geburt entgegen sieht. Andere frauen verfallen schon nach der ersten vorwehe in panische kreischartaken. aber in diesem fall ist es ja eher joe der panik bekommt
    LG Lars

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  2. Joe ist eben ein liebevoller Mann und wohl fest entschlossen, auch ein liebevoller Vater zu sein. Ich kann mir gut vorstellen dass es für einen Mann wie Joe schwer ist, normal arbeiten zu gehen und nicht jede Sekunde auf sein Mädchen aufpassen zu können. Es ist an all dem ja gerade recht unbeteiligt. Nadja muss die Geburt alleine durchstehen, er kann eh nur zusehen. So außen vor zu sein, wird sich nicht toll anfühlen.

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  3. Solang sie trotz Wehen schlafen kann. Ich konnte es 2 Nächte nicht. Aber auf den flachen Bauch muss sie noch länger warten...

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