Donnerstag, 14. August 2014

Flur mit Aussicht

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Das ist ja genial!", keuchte Nadja überwältigt. Sie schaute aus dem Fenster eines der höchsten Restaurants der Welt. Oben in der Kapsel der Spaceneedle war ein überraschend geräumiges Restaurant. Joe nickte und auch sein Blick war etwas verklärt. In all den Jahren, die er jetzt hier lebte, war er noch nicht einmal in diesem Wahrzeichen gewesen.

Einer der Kellner führte sie herum, nachdem sie dort Mittag gegessen hatten. Schon hierfür hatten sie eine Reservierung gebraucht, die Brenda so einiges ihrer Überzeugungskraft gekostet hatte. "Wenn sie für eine Gesellschaft buchen, teilen wir für gewöhnlich ein Drittel oder die Hälfte des Lokals ab, wo sie dann für sich sind." "Einen Saal oder so etwas haben sie gar nicht?", hakte Joe nach. Der Kellner schüttelte den Kopf. Unser Restaurant ist natürlich für seine Aussicht berühmt. Und die Form ist durch die Rundung vorgegeben. Logischerweise platzieren wir alle Tische am Fenster. In der Mitte befinden sich die Küche und sonstige Einrichtungen, die nicht für Gäste sind."

"Also sitzen wir mit 30 Leuten auf einem gebogenen Flur mit Aussicht, und es gibt keinen Platz für eine Tanzfläche?", rekapitulierte Joe. Der Kellner zuckte die Schultern. "Sie genießen die exquisite Aussicht auf Seattle. Doch einen Ballsaal haben wir hier oben nicht." "Wir überlegen es uns.", beendete Joe die Diskussion.

Im Aufzug schaute Nadja ihn an. "Das hat dir nicht gefallen?", fragte sie überrascht. "Die Aussicht ist umwerfend. Doch bei einer Hochzeit soll ja nicht die Aussicht im Mittelpunkt stehen, sondern du und vielleicht ein wenig ich." Er zwinkerte ihr zu. "Und wenn die Gäste die ganze Zeit aus dem Fenster gucken, ist es doch eigentlich auch keine Part, hm?" Nadja überlegte. Sie hätte das Event toll gefunden, mit allen Gästen dort hinauf zu fahren, doch mehr als das, wollte sie natürlich im Mittelpunkt stehen. "Vielleicht hast du recht.", überlegte sie vorsichtig

"Und selbst wenn die Leute die Nase davon voll haben, aus dem Fenster zu gucken, dann haben wir immer noch keinen kleinen Saal sondern einen Flur mit Aussicht. Ein paar Meter breit und 20 Meter lang. Dazu gebogen, so dass der letzte Tisch den ersten Tisch gar nicht sehen kann." Joe bemerkte Nadjas Enttäuschung. Sie hatte sich sehr gefreut, dort gewesen zu sein. Und auch das Essen war gut gewesen, sicherlich hätte die Küche in tolles Hochzeitsmenue zaubern können. "Wenn es dir dort gut gefallen hat, können wir gern mal mit ein paar Leuten dort essen gehen. Aber für die Hochzeit gefällt es mir nicht.", sagte Joe versöhnlich.

Nadja nickte und wiegte den Kinderwagen etwas. Sie selbst konnte die Druckveränderung spüren, während der Aufzug nach unten raste. Ayleen quittierte sie, genau wie schon auf dem Hinweg, mit Weinen. Offensichtlich tat ihr das ziemlich weh. "Du hast vermutlich recht.", wiederholte Nadja noch einmal. Doch das Schmollgesicht war überdeutlich. Joe nahm sie sacht in den Arm. "Wir finden einen Platz, wo du allein im Mittelpunkt stehst und es für alle eine tolle Feier wird.", versprach er.

Kommentare:

  1. Ah, wenn Nadja nicht ihren Willen bekommen kann, beginnt sie zu schmollen und zu maulen. Und was ist mit der Kleinen? Ich finde es nicht gut, sie dem rasanten Fahrstuhl auszusetzen, nur damit Mama im Mittelpunkt steht. Und noch schlimmer finde ich, dass Joe sie nur damit besänftigen kann, im Mittelpunkt zu stehen, während er bereit ist darauf zu verzichten.

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  2. lustig wie man nach jahrzehnten in der gleichen stadt immer wieder etwas neues entdeckt, was man bisher noch nicht einmalgesehen hatte.
    joe denkt praktisch und das muss nadja zugeben. sie finden bestimmt noch etwas anderes:)
    LG Lars

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